Säule 3a und Edelmetalle – warum gute Performance keine echte Diversifikation ersetzt
- Swissration

- 28. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Eine gute Performance macht zufrieden.
Und das darf sie auch.
Wenn eine Säule-3a-Lösung mit Aktienfonds über drei oder vier Jahre rund 30 Prozent zulegt, ist das kein schlechtes Ergebnis. Es zeigt, dass langfristiges Investieren funktionieren kann. Aktien, Fonds und Vorsorgelösungen haben ihren Platz.
Die entscheidende Frage ist nur:
Reicht das als Strategie?
Aus Sicht von Swissration ist die Antwort klar: Nein.
Nicht weil Aktien schlecht wären. Und auch nicht, weil die Säule 3a keinen Nutzen hätte.
Sondern weil echte Vorsorge mehr bedeutet als eine gute Zahl in einem Depot.
Säule 3a und Edelmetalle erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Die Säule 3a ist in der Schweiz ein etabliertes Vorsorgeinstrument.
Sie kann steuerliche Vorteile bieten, ermöglicht langfristiges Sparen und kann über Wertschriftenlösungen an der Entwicklung der Finanzmärkte teilhaben.
Das ist sinnvoll.
Aber eine Säule-3a-Lösung bleibt Teil des Finanzsystems.
Sie basiert auf Depotwerten, Banken, Fonds, Plattformen, Regularien, Bewertungssystemen und langfristigen Rahmenbedingungen. Das muss nicht schlecht sein. Aber es ist eine bestimmte Art von Vermögen.
Edelmetalle erfüllen eine andere Aufgabe.
Physisches Gold und Silber sind keine Forderung gegenüber einer Bank. Sie sind kein Fondsanteil, kein digitales Guthaben und kein Versprechen eines Emittenten.
Sie sind reale Sachwerte.
Genau deshalb betrachtet Swissration Edelmetalle nicht als Ersatz für alles andere, sondern als wichtigen Baustein neben klassischen Anlagen.
30 Prozent klingen gut – aber was bleibt real übrig?
Eine nominale Rendite ist die Zahl, die man im Depot sieht.
Eine reale Rendite ist das, was nach Kaufkraftverlust übrig bleibt.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wenn eine Anlage über drei oder vier Jahre rund 30 Prozent zulegt, klingt das stark. Doch in der gleichen Zeit sind auch die Lebenshaltungskosten gestiegen.
In der Schweiz lag die durchschnittliche Jahresteuerung 2022 bei 2,8 Prozent, 2023 bei 2,1 Prozent, 2024 bei 1,1 Prozent und 2025 bei 0,2 Prozent.
Über diesen Zeitraum ergibt sich eine kumulierte Teuerung von rund 6,3 Prozent.
Eine nominale Performance von 30 Prozent entspricht damit nicht 30 Prozent echter Kaufkraftsteigerung.
Bereinigt um diese Teuerung bleiben grob rund 22 Prozent reale Wertsteigerung übrig.
Das ist immer noch gut.
Aber es ist eben nicht mehr dieselbe Zahl.
Und genau hier beginnt die eigentliche Diskussion.
Nicht: Hat die Säule 3a funktioniert?
Sondern: Ist eine gute Performance in einem Finanzprodukt genug, um Vermögen langfristig robust aufzustellen?
Der Vergleich mit Silber und Gold ist bemerkenswert
Gerade beim Blick auf die letzten fünf Jahre zeigt sich, warum Edelmetalle in einer Vorsorgestrategie ernst genommen werden sollten.
Silber hat sich in diesem Zeitraum deutlich dynamischer entwickelt, als viele erwarten würden. In Schweizer Franken gerechnet bewegte sich der Silberpreis 2020 noch im Bereich von rund 18–20 CHF pro Unze. Bis 2025/2026 stieg er zeitweise auf über 28–30 CHF. Das entspricht – je nach Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt – einer Performance von rund 50 bis über 60 Prozent in fünf Jahren.
Gold zeigte ein stabileres, aber ebenfalls starkes Bild. Der Preis lag 2020 bei rund 1’500–1’600 CHF pro Unze und bewegte sich bis 2025/2026 in Richtung 2’200–2’400 CHF. Das entspricht einer Wertentwicklung von etwa 40 bis 55 Prozent über denselben Zeitraum.
Zum Vergleich: Eine gut laufende Säule-3a-Lösung mit Aktienfonds kann über drei bis fünf Jahre ebenfalls im Bereich von 20 bis 40 Prozent liegen – abhängig von Strategie, Aktienquote und Markttiming. Damit bewegen sich die Anlageklassen in einer ähnlichen Grössenordnung, jedoch mit unterschiedlichen Treibern und Risikoprofilen.
Der entscheidende Punkt ist nicht, dass Edelmetalle „besser“ sind.
Sondern:
Sie sind nicht schlechter – und sie folgen einer völlig anderen Logik.
Silber ist zudem nicht nur ein Edelmetall im historischen Sinn.
Es ist auch ein Industriemetall.
Es wird in Elektronik, Photovoltaik, Fahrzeugtechnik, medizinischen Anwendungen, Sensorik und Energieinfrastruktur verwendet. Dadurch verbindet Silber zwei Eigenschaften, die selten zusammenkommen:
monetäre Geschichte
und industrielle Nachfrage
Gold dagegen ist stärker monetär geprägt. Es reagiert weniger auf industrielle Zyklen und wird weltweit als Reserve- und Krisenmetall betrachtet.
Diese Kombination macht beide Metalle strategisch relevant.
Nicht risikofrei.
Aber systemunabhängiger als klassische Finanzwerte.
Aktienpakete sind gut – aber sie sind nicht alles
Swissration verteufelt Aktien nicht.
Aktien stehen für Unternehmensbeteiligungen. Produktive Unternehmen schaffen reale Güter, Dienstleistungen, Infrastruktur und Innovation.
Auch Fonds können sinnvoll sein, weil sie Kapital breit über verschiedene Unternehmen und Märkte verteilen.
Das Problem beginnt dort, wo ein einzelner Anlagebereich als ausreichend betrachtet wird.
Wer nur Aktienfonds hält, ist stark abhängig von:
Finanzmärkten
Bewertungen
Zinsen
Währungsentwicklung
Regulierung
Depotstruktur
systemischer Stabilität
Auch wenn ein Portfolio breit gestreut ist, bleibt es innerhalb derselben Anlagewelt.
Es bleibt ein Finanzwert.
Edelmetalle stehen ausserhalb dieser Logik.
Sie werfen keine Dividenden ab und zahlen keine Zinsen.
Aber sie besitzen keinen Schuldner.
Genau das ist ihr Unterschied.
Diversifikation bedeutet nicht nur mehrere Fonds
Viele Menschen glauben, sie seien bereits diversifiziert, wenn sie mehrere Fonds besitzen.
Das kann innerhalb der Finanzmärkte stimmen.
Aber es ist keine vollständige Diversifikation.
Echte Diversifikation fragt nicht nur:
Wie viele Positionen habe ich?
Sondern:
Welche Arten von Werten besitze ich?
Ein Aktienfonds, ein Vorsorgefonds und ein ETF können unterschiedlich aussehen und dennoch vom gleichen Grundsystem abhängen.
Physische Edelmetalle dagegen gehören in eine andere Kategorie.
Sie sind reale, greifbare Sachwerte.
Sie können ausserhalb des Bankensystems gehalten werden.
Sie sind international verständlich.
Und sie haben über lange Zeiträume eine Rolle als Wertspeicher gespielt.
Deshalb geht es nicht darum, Aktien gegen Edelmetalle auszuspielen.
Es geht darum, beide Wertarten richtig einzuordnen.
Für viele Menschen sind Edelmetalle greifbarer als Bitcoin
Bitcoin spielt in der Diskussion um Vermögensschutz und digitale Knappheit eine immer grössere Rolle.
Doch nicht jeder Mensch findet sofort Zugang dazu.
Für viele ist Bitcoin abstrakt:
digitale Verwahrung
Private Keys
Wallets
Volatilität
technisches Verständnis
Edelmetalle sind anders.
Ein Silberstück oder eine Goldmünze versteht man unmittelbar.
Man kann sie sehen, wiegen, anfassen und ausserhalb eines digitalen Systems aufbewahren.
Gerade für Menschen, die sich erstmals mit Vermögensschutz, Sachwerten und Eigenverantwortung beschäftigen, sind Edelmetalle oft der einfachere Einstieg.
Nicht moderner.
Aber greifbarer.
Was physische Edelmetalle leisten können
Edelmetalle sind keine Wunderlösung.
Sie schwanken im Preis. Silber kann besonders volatil sein. Beim Kauf und Verkauf entstehen Spreads, Prägeaufschläge und mögliche Lagerkosten. Wer physisch kauft, muss auch Verwahrung, Sicherheit und Nachfolge klären.
Trotzdem erfüllen Edelmetalle Aufgaben, die klassische Finanzprodukte nicht erfüllen können.
Sie schaffen einen Sachwertanteil ausserhalb digitaler Depots.
Sie reduzieren die Abhängigkeit von einem einzigen System.
Sie stärken die persönliche Kontrolle.
Sie bringen einen historischen Wertspeicher in die eigene Struktur.
Gerade Silber kann durch seine kleinere Stückelung und seine industrielle Bedeutung eine besondere Rolle einnehmen.
Gold ist kompakter und eignet sich stärker für grössere Werte.
Silber ist greifbarer, teilbarer und näher am praktischen Sachwertgedanken.
Die Swissration-Haltung
Swissration steht nicht für Entweder-oder.
Nicht Aktien oder Edelmetalle.
Nicht Säule 3a oder Sachwerte.
Nicht Bitcoin oder Gold.
Sondern für eine klare Grundhaltung:
Werte sollten nicht nur auf eine Form, ein System oder eine Zukunftserwartung verteilt sein.
Eine moderne Vorsorgestruktur kann aus verschiedenen Ebenen bestehen:
gebundene Vorsorge
freie Anlagen
physische Edelmetalle
Bitcoin
Bargeld
Fähigkeiten
Gemeinschaft
Handlungsfähigkeit
Die Säule 3a kann darin ein sinnvoller Baustein sein.
Aber sie ersetzt keine Sachwerte.
Und eine gute Performance ersetzt keine Diversifikation.
Fazit
Eine Säule-3a-Performance von rund 30 Prozent über wenige Jahre ist erfreulich.
Doch sie sollte nicht zu Selbstzufriedenheit führen.
Nach Inflation bleibt real weniger übrig. Und im Vergleich über die letzten fünf Jahre zeigt sich, dass sowohl Gold als auch Silber in ihrer eigenen Logik eine starke und teilweise vergleichbare Entwicklung hingelegt haben – mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie ausserhalb des Finanzsystems stehen.
Der Punkt ist nicht, dass jeder alles in Silber oder Gold halten sollte.
Der Punkt ist:
Wer Vermögen ernsthaft schützen will, sollte verschiedene Wertarten verstehen.
Finanzwerte können wachsen.
Edelmetalle können stabilisieren.
Notvorrat und Wasser schaffen unmittelbare Handlungsfähigkeit.
Und echte Vorsorge beginnt dort, wo man nicht alles von einem einzigen System abhängig macht.
Das ist keine Angst.
Das ist Struktur.





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